Das Reich der (Werbe)Mitte(l)
Erstellt am: 22. August 2008Noch 3 Tage laufen die Olympischen Spiele in Peking und rücken das mit 1,3 Milliarden Einwohnern bevölkerungsreichste Land der Erde in den Fokus der weltweiten Öffentlichkeit. Einer neuen Studie zufolge, die im Auftrag einer renommierten amerikanischen Kommunikationsagentur erfolgte, gehört Deutschland unter den Chinesen - man staune - zu den beliebtesten Völkern und belegte unter 31 Industrieländern in der Sympathie-Skala Platz 3 hinter der Schweiz und Frankreich. Dabei wird nicht nur die deutsche Wertarbeit an sich geschätzt, sondern insbesondere auch traditionelle Werte wie Zuverlässigkeit, Einsatz und Disziplin. Die hohe Qualität exportierter Güter wird ebenfalls sehr positiv wahrgenommen. Also: Ein riesiger, boomender Markt und grenzenloses Wachstum ohne Risiko? Vorsicht, denn insbesondere die Werbung für deutsche Firmen und ihre Produkte birgt mancherlei Gefahren. Grund: Die chinesische Sprache. So hat jedes der mehr als 50.000 Schriftzeichen eine eigene Bedeutung und die Aussprache und Dialektik tut ihr Übriges, um das Verständnis zu erschweren Künstlich geschaffene Namen und Wortschöpfungen, wie im Bereich der europäischen Werbung oft gang und gäbe, sind in China ein “No-Go“. Während einige deutsche Hersteller diese Problematik elegant gelöst haben - wie z.B. BMW (bao-ma = kostbares Pferd) -, hatten andere Firmen größere Schwierigkeiten. Das Chemieunternehmen Hoechst hieß beispielsweise in einer ersten Übersetzung für viele Chinesen “Ich will dich betrügen“ und auch der zweite Vorschlag, der in seiner chinesischen Aussprache dem Wort “Hitler“ ähnelte, konnte keinesfalls überzeugen. Für Werbeagenturen stellt es sich folglich eher als schwierige Aufgabe dar, Markennamen ins Chinesische zu übertragen. Es bleibt nur zu hoffen, dass dies trotz aller Tücken gelingt, um in künftigen “Popularitäts-Umfragen” ebenfalls weit vorne zu landen.